Herbstradio: Epilog

Spätestens jetzt, wo allen klar ist, dass Herbstradio auf 88vier nicht senden wird, und ab 22. Mai 2010 etwas Neues beginnt, sollten wir ein paar abschließende Worte verlieren. Warum gibt es Herbstradio nicht mehr?

Herbstradio war ein temporäres Veranstaltungsradio. Es entstand aus dem Zufall heraus, dass im Herbst 2009 zwei Projekte bei der mabb für einen ähnlichen Zeitraum Veranstaltungsradio beantragt hatten: Berlin macht Radio (Radiopiloten und Brotfabrik) und Rewind2020 (Klubradio). Die beiden Projekte einigten sich, die 99,1 MHz gemeinsam zu bespielen. Im Februar 2010 gab es eine Neuauflage in Form des Projektes Kinofunk (Radiopiloten und Brotfabrik), an dem sich Klubradio wiederholt beteiligte, z.B. mit der Begleitung der Club Transmediale in Zusammenarbeit mit Resonance.FM.

Überhaupt funktionierten die Veranstaltungsradios (wie z.B. davor im Sommer 2008 Funkwelle FM) so, dass die verschiedensten Radiomacher und -gruppen sich am Programm beteiligten, denn es gab sonst nichts Vergleichbares. Zwar konnte keine Redaktion aufgebaut werden, weil dazu ein kontinuierlicher Sendebetrieb nicht gegeben war, aber für kurze Zeit bekamen wir jeweils eine Ahnung davon, was ein Freies Radio in Berlin sein könnte.

Wie wir nun am Ergebnis der Ausschreibung zur 88vier sehen können, gibt es mehrere Radiogruppen in Berlin, die eigenständig nichtkommerzielles Radio machen wollen - aus den unterschiedlichsten Motivationen heraus. Manche konnten sich vorher nicht einigen, manche zogen eine Zusammenarbeit mit anderen Gruppen ohnehin nicht in Betracht, sodass nun alle einzeln unter dem Dach der mabb senden und nicht unter einem unabhängigen Dach.

Wir, Radiopiloten, waren immer der Meinung, dass das Herbstradio-Konzept bei einem kontinuierlichen Sendebetrieb nicht funktioniert. Freies Radio ist mehr, als nur an Sendegruppen irgendwelche Fenster zu verteilen - das kann der Offene Kanal auch. Weil wir mit der 88,4-Ausschreibung die Möglichkeit sahen, endlich einmal kontinuierlich senden und damit etwas aufbauen zu können, haben wir im Zuge der Spendenaktion ein Freies Kulturradio Berlin definiert, sodass jeder selbst bestimmen kann, ob er sich auf ein solches einlassen will oder nicht. Mit dem Spendenaufruf verband sich nicht nur die kurzfristige Bitte zu spenden, sondern auch ein Konzept, Radio von einzelnen Personen oder Gruppen loszulösen und stattdessen einer gemeinsamen Idee zu verpflichten.

Wir hatten gehofft, dass diese Idee, wie sie in 23 Punkten definiert wurde, andere Radioveranstalter dazu einlädt, sich zu beteiligen. Und natürlich sind wir davon ausgegangen, dass zumindest die Herbstradiopartnerschaft zwischen Radiopiloten und Klubradio bestehen bleibt. Das Ergebnis ist bekannt: auch diese Zusammenarbeit hielt nicht. Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: es gab keinen gemeinsamen Herbstradioantrag. Entsprechend gibts kein Herbstradio mehr, und diese Web-Seite, die wir zwar weiterhin pflegen, hat seine Bedeutung nur noch als Archiv. Alle haben ihre eigenen Anträge gestellt. Letztlich ist es müßig, darüber zu diskutieren, warum?

Entscheidend ist, dass wir, Radiopiloten, an unserer beschriebenen Idee eines Freien Kulturradios Berlin nach wie vor festhalten und diese auch umsetzen werden, wenn auch vorerst unter erschwerten Bedingungen an 20 Stunden die Woche. Es kann gut sein, im Laufe der nächsten Monate stellt sich heraus, dass andere Radioveranstalter auf 88vier ebenfalls nach den Prinzipien Freier Radios arbeiten und durchaus ein Stückchen ihrer Identität aufgeben würden, um eine neue, gemeinsame zu schaffen. Wenn dies der Fall ist, kommen wir automatisch zusammen. Nehmen wir die momentane Zersplitterung der nach Eigenständigkeit rufenden Radioveranstalter also erst einmal als Chance, um zu gucken, wie die einzelnen Radioveranstalter arbeiten, und welches Programm sie machen. Der Rest ergibt sich von allein.

Und was passiert mit den Spendengeldern? Es hat sich nichts geändert: die Spendengelder werden für ein Freies Kulturradio Berlin verwendet. Wenn es soweit ist, wird es dazu eine öffentliche Stellungnahme geben. Sollte sich herausstellen, dass ein solches Radio nicht umsetzbar ist, wird es, wie beschrieben, an Straßenkinder- und Obdachlosenhilfe weitergespendet. D.h., um allen Vermutungen ein Ende zu bereiten, es gab bisher keinen Streit um die Gelder, es werden davon auch keine Maseratis oder iPods gekauft - wir rühren das Geld momentan überhaupt nicht an. Alles, was an Gebühren anfällt, hat sich die mabb bereiterklärt zu übernehmen. Alle weiteren Kosten übernehmen wir momentan privat.

Womit wir im hier und jetzt sind. Ja, Radiopiloten und Brotfabrik werden auf 88vier senden, genauso wie Herbstradiopartner Klubradio - mehr dazu in den nächsten Tagen. Herbstradio gibts zwar nicht mehr, dafür aber in jedem Fall ein Freies Kulturradio Berlin, vielleicht ja auch zwei oder mehrere, und vielleicht dann wieder nur eins. Das werden wir ja sehn. Und: bei so wenig Sendezeit, wie wir erhalten haben, bleibt genügend Zeit, um parallel den einen oder anderen Veranstaltungsfunk auf 99,1 MHz zu nutzen. Immerhin, dieses Zugeständnis der mabb haben wir erhalten. Es spricht also nichts dagegen, bald schon wieder Herbstradio aufleben zu lassen. Wir arbeiten dran.

Radiopiloten

Kommentare

Veranstaltungsradio September

Im September ists soweit. Es heißt zwar nicht mehr Herbstradio, sondern Radio Einheit, aber wir hoffen, dass es trotzdem rockt. (Sagt man doch so, oder?)

http://piradio.de/news/2010-08-radio-einheit-991