Ausschreibung: Freies Kulturradio Berlin

Der Medienrat der MABB beschließt am Dienstag, 13. April 2010, endgültig über die Nutzung der ausgeschriebenen Frequenzen 88,4/90,7 MHz, auf die wir uns beworben haben.

Wir hatten zu diesem anstehenden Beschluss ein Vorgespräch mit Vertretern der MABB, auf dem uns mitgeteilt wurde, dass der Medienrat einen Gesamtsender 88,4/90,7 MHz präferiert, auf dem die einzelnen Bewerber dann als Sendemacher senden können. Auf den ersten Blick würde sich damit unser Problem der Gebühren an Verwertungsgesellschaften wie GEMA/GVL erledigen, die dann die MABB komplett übernehmen könnte und würde. Nach eingehender Prüfung stellte sich aber heraus, dass wir, sobald wir als nichtkommerzielles Radio bei der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) angemeldet werden, ebenfalls mit großer Wahrscheinlichkeit keine GEMA/GVL-Gebühren bezahlen müssten.

Weiterhin wurde uns mitgeteilt, dass wir auf dem neuen Kanal nicht einmal den selben Status wie ALEX hätten, was uns stutzig machte. Nach Rückfragen stellte sich heraus, dass wir zwar Sendezeiten in eigener Verantwortung auf dem neuen Kanal nutzen könnten, uns aber a) neben acht weitere Bewerber und b) unter die MABB stellen müssten - gemeinsame Jingles, gelegentlicher Austausch von Sendezeiten, eine übergeordnete Koordination kämen hinzu.

Wir, also Radiopiloten und Brotfabrik, haben als Reaktion auf dieses Gespräch ein Schreiben an den Medienrat abgeschickt, in dem wir klar Position beziehen: entweder wir bekommen auf den neuen Frequenzen eine eigene Sendelizenz für unsere Zeiten, d. h. wir senden unabhängig, in eigener Verantwortung und niemand kann in unser Programm hineinreden, oder aber wir müssen von einer Teilnahme auf der 88,4/90,7 MHz absehen. Wir hoffen, dass uns in letzterem Fall wenigstens die Möglichkeit gewährt wird, weiterhin auf 99,1 MHz unabhängig Veranstaltungsradio machen zu können.

Soviel als Zwischenstand. Ende der Woche wissen wir vielleicht schon mehr. In jedem Fall noch einmal Danke an alle Unterstützer und Spender für ein Freies Kulturradio. Wir hoffen, dass Euer Geld zum Einsatz kommt und wir bald senden können - unabhängig und in eigener Lizenz.

Kommentare

Nichtkommerzielles Radio für Berlin

Mein Newsticker springt gerade an mit folgender Nachricht:

"Medienrat beschließt Konzeption zur Nutzung der Hörfunkfrequenzen 88,4 MHz und 90,7 MHz

Mehr: http://www.mabb.de/presse-publikationen/archiv/2010/11052010.html

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sage ich schon mal: herzlichen Glückwunsch Herbstradio aka achtenenachtigvier!

Gruß, Jens (Piradio)

Verfrühte Freude

Hallo Jens,

ich glaube du freust dich zu früh, du hast noch nicht die Durchführungsbestimmungen und die Sendezeitenpläne gesehen. Da sieht die Sache ganz anders aus.

Es ist doch nur wieder ein Versuch die NKL-Radios unter das Dach vom Offenen Kanal zu bringen, und alle machen mit, die besten Sendezeiten behält sich Alex vor, das auch den Sendebetrieb abwickelt, noch dazu können sich Alex und Ausbildungsradio, wenn sie wollen, einfach Sendezeiten anderer ohne Beschränkung reservieren.

Es gibt noch viele andere Sachen. Schweig ich erstmal drüber.

Ein Vorkommentator hats schon im Bauch gehabt:

Zitat: Ich habe so eine Vorahnung: Es wird so ähnlich wie im neuen Alex-TV, ein größtenteils entpolitisiertes oberflächliches Livestyleprogramm für den "modernen" Großstadtbewohner, nur ohne Hit-Rotation und Werbespots. Hauptsache systemkonform.

Da liegt er wahrscheinlich richtig.

Muss mir erstmal Luft machen, gehe jetzt einen Trinken.

Neues Programm

Ich habe so eine Vorahnung:

Es wird so ähnlich wie im neuen Alex-TV, ein größtenteils entpolitisiertes oberflächliches Livestyleprogramm für den "modernen" Großstadtbewohner, nur ohne Hit-Rotation und Werbespots. Hauptsache systemkonform.

Sich nicht auf einen

Sich nicht auf einen Kompromiss einzulassen, der am Ende eh keinem Spaß macht, ist absolut nachvollziehbar.

Wünsche Euch (und den Hörern) das richtige Gespür bei der Entscheidung. Ein zeitweiliges Veranstaltungsradio (so wie bisher) ist dabei hoffentlich die Minimalmöglichkeit, die bleibt. Ich drück die Daumen.

Lizenz

Das diese Frequenzen der MABB unterstellt sind ist doch eigentlich klar, schon aus finanziellen Gründen. Ein freies Radio kann aber tatsächlich nicht eine verlängerte Sendeschiene von ALEX sein, die ja eine ganz andere Programmphilosphie haben.

"Dass" mit dem "schon aus

"Dass" mit dem "schon aus finanziellen Gruenden" ist schon ein bisschen lustig gemeint, oder? Die MABB verbuttert schliesslich nicht irgendwelchen Zahlensalat, sondern zwei Prozent der GEZ-Mittel, die in Berlin und Brandenburg aufgebracht werden. Was aber, bitte, haben diese Finanzen mit den zu vergebenden Lizenzen zu tun?

Lizenzen bedeuten Rechtsansprueche, unter anderem darauf, ohne den Eingriff Dritter, und eben auch ohne den der MABB, senden zu koennen, was die Sendenden im Rahmen des Presserechts senden duerfen; anders gesagt, geht es nicht nicht um die Weichzonen einer irgendwie und am Ende dann doch unbestimmten "Programmphilosophie", sondern mit den Haerten des Rechts geht es um das Radio derer, die es herstellen.

Re: Lizenz

Offiziell heißt es bis jetzt: nur ALEX ist der Offene Kanal. Der Gesamtsender 88,4 MHz, den es bald geben soll, ist dann etwas Neues und Anderes. Was genau der Gesamtsender dann sein wird, wurde allerdings nicht verraten. Dass er der MABB unterstellt sein wird, liegt sehr nahe. Vielleicht ist es zum Schluss doch alles nur enttäuschend - Schaun wa mal.