Herbstradio sendet live und online / Wille zum dauerhaften freien Radio
Seit Monatsanfang hat Berlin wieder ein nichtkommerzielles Kulturradio. Auf UKW 99,1 ist »Herbstradio« in der Innenstadt und im Berliner Süden zu empfangen. Wer außerhalb dieses Sendebereiches, beispielsweise in Buch oder Brandenburg wohnt, kann den Sender online über www.herbstradio.org hören. Die Lizenz endet allerdings vorerst Ende November.
In diesen Tagen begleitet »Herbstradio« publizistisch das Berliner Literaturfestival, so mit Lesebühnen, Reportagen und Hörspielen. Im Oktober erinnert eine Serie an den 20. Jahrestag des Mauerfalls. Der November steht, nicht nur zur Kinderhörzeit, ganz im Sinne von Märchen: Der
Sender ist Partner der Berliner Märchentage. Herbstradio zeichnet sich nicht durch eine bestimmte Musikfarbe aus, er hat sich vielmehr das Ziel gesetzt, Musik made in Berlin zu fördern. »Die kreative Berliner Musikszene ist im Radio bisher weitgehend ungehört«, sagt Mitinitiator Pit Schulz. »Herbstradio ist ein Vorschlag, diejenigen Kulturen besser zu fördern, welche die Stadt lebendig und lebenswert machen.« Gesendet wird live aus Clubs. Auch weitgehend unbekannte Teenagerbands haben im Herbstradio eine Chance, erstmals im Äther zu Gehör zu kommen. Gefördert wird der werbefreie Sender mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, aber auch durch ehrenamtliche Arbeit vieler Radiomacher. Wie es sich für einen Sender gehört, der im 20. Jahrestag des Mauerfalls Premiere feiert, kommen die aus beiden Stadthälften: Die »Radiopiloten« sitzen im Prenzlauer Berg. Und »Klubradio« produziert im Haus der Kulturen der Welt im Tiergarten. Auch einige Autoren des Onlineradios Multicult2.0 werden sich einbringen und sind damit wieder im Berliner Äther zu hören.
Politisch unterstützt wird der Sender durch den SPD-Medienpolitiker Frank Zimmermann. »In Berlin haben wir den politischen Willen, wieder dauerhaft ein freies Radio zu installieren«, sagt er und verweist auf den Koalitionsvertrag. In Brandenburg gibt es hingegen diesen politischen Willen nicht. Die Landesmedienanstalt ist eine gemeinsame aus beiden Ländern und konnte sich bisher nicht dazu durchringen, nach der Zahlungsunfähigkeit von Radio 100 im Jahre 1991 wieder eine Welle und eine Grundfinanzierung für ein nicht kommerzielles Kulturradio zur Verfügung zu stellen.
Doch in letzter Zeit sei Bewegung in die Diskussion gekommen.
»Eine Stadt mit dem Potenzial an internationalen kreativen Talenten braucht ein dauerhaftes freies Radio, das sich im internationalen Vergleich nicht verstecken muss«, sagt Mitinitiator Pit Schulz. »Andere Städte haben permanente freie Kulturradios. Und so ist Herbstradio auch eine Hommage an das Potenzial von Radiostationen wie Resonance.fm London, WFMU New York, Radio Grenouille Marseille, Tilos Radio Budapest, Radio Orange Wien und Radio Corax in Halle an der Saale.«
(Marina Mai)
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Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/155502.radiopiloten-auf-literatu...