Berliner Zeitung: Sammeln für neuen Sender (17. Dezember 2009)

Die Rechnung ist simpel und wird zurzeit tausendfach per E-Mail verschickt. Wer unter den 30 Radiosendern der Stadt immer noch nicht den passenden gefunden hat, bekommt nun die einmalige Chance, seinen Beitrag für ein ein neues, nicht-kommerzielles Kulturradio in der Hauptstadt zu leisten. Spenden 5 000 Menschen jeweils zehn Euro, könnte kommenden Mai Berlins erstes freies Kulturradio starten. Die Jahresgebühr dafür kostet 50 000 Euro, bis zum 31. Januar muss das Geld zusammengetragen sein. Dann endet die Antragsfrist bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), die über die Lizenzvergabe für die UKW-Frequenz 88,4 entscheiden wird. Ein nichtkommerzielles Radioprogramm soll es in Berlin geben, heißt es bei der mabb. "So etwas tut der Stadt gut".

Freie Radiogruppen der Stadt, die im Internet und temporär auf Veranstaltungsfrequenzen senden dürfen, sehen jetzt die Gelegenheit, dass ihre jahrelange Forderung nach einem freien Radio erfüllt wird, das ohne kommerziellen Anspruch ein alternatives, politisches und kulturgeprägtes Radioprogramm auf UKW senden kann. "Wenn 5 000 Leute zusammenlegen, bekommt Radio 100 einen gebührenden Nachfolger", sagt Paul Motikat vom Projekt Herbstradio, das zuletzt von September bis November auf UKW senden durfte. 200 Radiofreunde und Gruppen wie Reboot FM, Funkwelle FM und Chaosradio Express waren beteiligt. Sie könnten auch jetzt sofort auf Sendung gehen. Es gibt vier Tonstudios, Radiotechnik und genügend Enthusiasten, für die das alternative Radio 100 aus dem alten West-Berlin als Vorbild gilt. Basisorientiert soll auch das neue freie Kulturradio funktionieren und dennoch kein "Jeder-kann-Mitmachen"-Projekt sein, wie es etwa der Offene Kanal Berlin ist. (str.)

Der Aufruf im Internet unter: www.herbstradio.org

(Stefan Strauß)

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Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1...