tageszeitung (Blogs): Na los, Broder, Böss & Ihr Klimaskeptiker: Jetzt könnt Ihr uns fertig machen! Für ein freies Radio in Berlin. (18. Februar 2010)

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Ich persönlich habe mit Radio ja überhaupt nichts am Hut. Ich höre praktisch nie Radio. Ich bin in den letzten Jahren, glaube ich, häufiger im Radio gewesen, als dass ich es gehört hätte. Aber das soll ja kein Maßstab sein.

Radio könnte eine schöne Sache sein, das will ich gerne glauben. Es gibt regelrechte Radio-Enthusiasten. Leider haben die es nicht leicht. Denn der Äther ist voll mit gruseligen Wellen.

Wenn ich überhaupt Radio höre, dann im Auto, und das benutze ich selten. Aber wenn ich darin, z. B. in Berlin, auf der Suche nach dem Info-Radio vom RBB oder Radio 1, durch die Frequenzen drehe, gilt es, starke Nerven zu bewahren. Denn allzu leicht gerät man auf die Wellenlänge von RadioBerlin 88,8 oder gar 104,6 RTL oder womöglich Radio Energy, und dann bekommt man Kopfschmerzen. Von der Musik dort auch oft schnell, noch schneller aber, wenn man versehentlich einen der Jingles oder der Moderatoren hört. Kurz: Kommerzielles Radio ist eine ästhetische Beleidigung für jeden, der noch halbwegs bei Verstand ist, und die Öffentlich-Rechtlichen haben leider nichts Besseres zu tun, als in ihren Hauptprogrammen den Wahnsinn mitzumachen.

Welche Wohltat dagegen das Herbstradio, das die verschiedenen Gruppen rund um die Radiopiloten veranstalten. Im letzten Jahr haben sie schon gezeigt, was sie können, und von denen, die das in Berlin-Mitte auf der Frequenz 99,1 bzw. im Internet gehört haben, vernahm ich viel Gutes. Allein das von einem der Mitwirkenden als Mail-Fußzeile verwendete Motto “Keine Hits, keine Profis, kein Spam” ist doch grundsympathisch. Jetzt, zur Berlinale, sendet das Herbstradio erneut, aber nur für kurze Zeit. Doch es gibt Hoffnung für alle Radiophilen: Das Herbstradio hat die Chance, bald unbegrenzt auf Sendung zu gehen. Dafür braucht es aber Geld. Warum, das kann man alles ausführlich nachlesen. Besser aber noch: man spendet einfach. Allmählich geht es dem Endspurt zu. Und weil die Reformbühne Heim & Welt, bei der ich neben Ahne, Jakob Hein, Uli Hannemann, Falko Hennig und Jürgen Witte die Ehre habe, Mitglied zu sein, das Projekt unterstützt, machen wir folgendes verführerische Angebot: Alle Spenden, die noch bis zum 22.2.2010 beim Herbstradio eingehen, werden von uns verdoppelt. Jawoll. Und wer das von Jakob, Falko und Jürgen selbst erklärt haben möchte, kann das hier hören. Wenn Ihr 10 Euro spendet, legen wir 10 Euro drauf. Wenn Ihr 10.000 Euro spendet, legen wir 10.000 Euro drauf. Wer es Jakob Hein oder mir also endlich heimzahlen will: Das ist die Chance. Ruiniert uns! Macht uns fertig! Der arme Ahne zittert schon. Und macht vorher heute Abend sein schönes und zweifellos hörenswertes Liedermachermagazin eben beim Herbstradio.

(Heiko Werning)

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Quelle: http://blogs.taz.de/reptilienfonds/2010/02/18/na_los_broder_boess_ihr_kl...